Chronische Sinusitis: Wann kommt eine Operation infrage?

Chronische Sinusitis: der Unterschied zur Erkältung, die ersten Behandlungen, die Untersuchung der Nase und wann eine Nebenhöhlen-OP (FESS) infrage kommt.

Die Nasen­neben­höhlen sind luftgefüllte Räume in den Gesichtsknochen, die über kleine Öffnungen mit der Nase verbunden sind. Bleibt ihre Schleimhaut länger als 12 Wochen entzündet, mit verstopfter Nase oder Sekret und oft mit Druckgefühl im Gesicht oder schlechterem Geruchssinn, spricht man von einer chronischen Rhinosinusitis, kurz chronischen Sinusitis.

Der Unterschied zur Erkältung und zur akuten Sinusitis

Eine Erkältung ist eine Virusinfektion, und die verstopfte, laufende Nase, die sie mit sich bringt, klingt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Erreicht die Entzündung die Nebenhöhlen, mit Schmerzen über den Wangen oder an der Stirn und dickflüssigem Sekret, spricht man von einer akuten Sinusitis; auch sie wird meist durch ein Virus ausgelöst und heilt innerhalb weniger Wochen von selbst ab.

Die chronische Sinusitis dagegen heilt nicht von selbst ab. Ihre Hauptbeschwerden sind eine verstopfte Nase, Sekret aus der Nase oder in den Rachen, ein verminderter oder verlorener Geruchssinn sowie Druck oder Schmerzen im Gesicht. Bei manchen Menschen bildet die entzündete Schleimhaut Nasenpolypen, weiche Schwellungen, die die Nase und die Öffnungen der Nebenhöhlen verlegen. Die Diagnose stützt sich auf eine Untersuchung, nicht allein auf die Beschwerden.

Beschwerden nur auf einer Seite der Nase, eine Schwellung um das Auge oder eine Veränderung des Sehens entsprechen nicht dem üblichen Bild; britische Leitlinien verlangen, dass sie dringend von einem HNO-Facharzt abgeklärt werden.

Die ersten Behandlungen

Die chronische Sinusitis wird zuerst mit Medikamenten behandelt, und die meisten Menschen sprechen gut darauf an. Üblich ist der Beginn mit Salzwasser­spülungen zusammen mit einem Kortison-Nasenspray oder Nasentropfen: Die Spülungen waschen Schleim und Krusten aus, das Kortison lässt die Schleimhaut abschwellen und Polypen schrumpfen. Kortison, das in der Nase angewendet wird, gelangt in der Regel nicht in den übrigen Körper. Es wirkt langsam, wird deshalb täglich angewendet, und die richtige Technik ist wichtig.

Britische Leitlinien sehen vor, beide Behandlungen drei Monate lang zu versuchen, bevor an einen Facharzt überwiesen wird. Bei Polypen kann zusätzlich eine kurze Kortisonbehandlung in Tablettenform versucht werden, abgewogen gegen ihre Nebenwirkungen. Antibiotika sind keine Routinebehandlung: Die Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für HNO-Heilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie von 2025 rät von ihnen ab, wenn in der Nase kein Eiter zu sehen ist.

Wie die Nase untersucht wird

Die Abklärung beginnt mit Ihren Beschwerden: wie lange sie schon bestehen, was Sie bereits versucht haben und wie sie Ihren Alltag beeinträchtigen. Gefragt wird auch nach Asthma, Allergien und einer Unverträglichkeit von Aspirin, die häufig mit chronischer Sinusitis einhergehen, besonders bei Polypen.

Die zentrale Untersuchung ist die Nasen­endoskopie: Eine dünne Kamera wird nach einem betäubenden Spray in das Nasenloch eingeführt und zeigt die Schleimhaut, eventuelle Polypen oder Eiter und die Nasen­scheidewand. Sie dauert wenige Minuten und findet in der Sprechstunde statt.

Eine Computer­tomografie (CT) braucht nicht jeder. Sie hilft, wenn die Diagnose unklar ist, und ist vor jeder Nebenhöhlen­operation nötig, um zu zeigen, welche Nebenhöhlen verlegt sind, und um die Anatomie nahe den Augen und der Schädelbasis darzustellen.

Wann eine Operation infrage kommt

Eine endoskopische Nebenhöhlen­operation kommt infrage, wenn Endoskopie, CT oder beides die Diagnose bestätigt haben, die Beschwerden nach einem ausreichenden Behandlungsversuch mit Medikamenten mittelschwer oder schwer bleiben und der zu erwartende Nutzen in Ihrem Fall die Risiken überwiegt. Bei leichten Beschwerden oder bei Erkrankungen, die eine Vollnarkose riskant machen, ist eine Operation womöglich nicht der richtige Weg.

Manche Formen sprechen auf Medikamente allein weniger gut an, etwa ausgedehnte Polypen oder ein Pilzball in einer Nebenhöhle. Die amerikanische Leitlinie rät davon ab, vor einer Operation eine feste Dauer der medikamentösen Behandlung zu verlangen: Die Entscheidung richtet sich nach Ihren Beschwerden, den Befunden und den bisherigen Behandlungen.

In einer randomisierten Studie an 20 britischen Kliniken erhielten 514 Erwachsene, deren Beschwerden trotz Kortisonspray, Salzwasser­spülungen und einer kurzen Antibiotikabehandlung anhielten, entweder eine Operation, drei Monate lang ein Antibiotikum oder ein Placebo; alle setzten Spray und Spülungen fort. Nach sechs Monaten gab die Operationsgruppe in einem standardisierten Fragebogen deutlich weniger Beschwerden an, und das Antibiotikum schnitt nicht besser ab als das Placebo. Die Ergebnisse sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Was bei der Operation geschieht

Die funktionelle endoskopische Nebenhöhlen­chirurgie (FESS) erfolgt durch die Nasenlöcher mit einem Endoskop, einer dünnen Optik, die mit einem Bildschirm verbunden ist; einen Schnitt im Gesicht gibt es nicht. Sie wird meist in Vollnarkose durchgeführt, und die meisten Menschen gehen noch am selben Tag nach Hause.

Ihr Ziel ist es, die natürlichen Abflusswege der Nebenhöhlen wieder zu öffnen: Geschwollene Schleimhaut, Polypen und kleine Knochenstücke, die die Öffnungen verlegen, werden entfernt, die Öffnungen erweitert und gestautes Sekret abgeleitet. Die Nebenhöhlen selbst werden nicht entfernt; sobald sie wieder abfließen können und Luft hindurchströmt, hat die Schleimhaut bessere Chancen, sich zu erholen.

Welche Nebenhöhlen geöffnet werden, hängt vom CT und von den Befunden ab. Eine verkrümmte Nasen­scheidewand, die den Weg zu den Nebenhöhlen verengt, kann in derselben Operation begradigt werden.

Die Heilung im Überblick

Die Nase fühlt sich meist sieben bis zehn Tage lang verstopft an und wird dann allmählich freier; etwas Blutung und blutig gefärbtes Sekret sind anfangs normal. Wird eine Tamponade verwendet, ist sie oft selbstauflösend. In den ersten 24 Stunden nach der Narkose sollte ein verantwortungsvoller Erwachsener bei Ihnen bleiben.

Schnäuzen Sie sich nach der Heimkehr zwei Tage lang nicht und beginnen Sie danach behutsam. Salzwasser­spülungen helfen, Krusten zu lösen, und senken das Infektionsrisiko; Ihr Chirurg sagt Ihnen, wann Sie damit beginnen. Bei den Kontrollterminen wird die Heilung überprüft, und Krusten können entfernt werden.

Planen Sie bis zu zwei Wochen Arbeitspause ein, auch wenn manche Menschen früher zurückkehren. Vermeiden Sie zwei Wochen lang schweres Heben, Laufen, Fitnesskurse sowie schwere Haus- oder Gartenarbeit, und fliegen Sie in dieser Zeit nicht.

Risiken der Operation

Die meisten Nebenhöhlen­operationen verlaufen ohne Komplikationen, doch jede Operation birgt Risiken. Die folgenden Zahlen stammen von ENT UK, dem britischen Berufsverband der HNO-Chirurgen:

  • Blutung: Etwas Blutung ist normal, und etwa 1 von 20 Menschen hat ein stärkeres Nasenbluten.
  • Infektion, die Antibiotika erfordern kann.
  • Verwachsungen, also Narbenstränge im Inneren der Nase, die unter Umständen durchtrennt werden müssen.
  • Tränenträufeln, bei weniger als 1 von 100.
  • Eine Einblutung in die Augenhöhle, bei etwa 1 von 500, die das Sehvermögen dieses Auges gefährden kann, wenn sie nicht rasch behandelt wird; Doppelbilder und Sehverlust sind noch seltener.
  • Ein Austritt der Flüssigkeit, die das Gehirn umgibt, bei etwa 1 von 1000, mit dem Risiko einer Hirnhautentzündung.
  • Die allgemeinen Risiken einer Narkose.

Die Wirkung auf den Geruchssinn lässt sich schwer vorhersagen: Er kann sich teilweise, vorübergehend oder gar nicht bessern. Die Beschwerden können über die Jahre auch wiederkehren, vor allem Polypen, und manchmal ist eine zweite Operation nötig.

Nach der Operation sind eine starke Blutung, die nicht aufhört, eine Schwellung oder Schmerzen um das Auge oder eine Veränderung des Sehens ein Notfall: Rufen Sie die 112 an. Fieber, das nicht zurückgeht, zunehmende Schmerzen oder klare, wässrige Flüssigkeit, die aus der Nase tropft, sollten Sie noch am selben Tag Ihrem Chirurgen melden.

Die Behandlung geht nach der Operation meist weiter

Die Operation öffnet die Nebenhöhlen, ändert aber nichts an der Neigung der Schleimhaut, sich zu entzünden; deshalb werden Kortisonspray oder -tropfen und Salzwasser­spülungen nach dem Eingriff meist weitergeführt, oft langfristig. Bei offenen Nebenhöhlen erreicht das Spray Stellen, an die es vorher nicht gelangte. Vor allem Polypen kehren oft zurück, wenn das Kortison abgesetzt wird, auch nach einer Operation.

Das Ergebnis wird meist drei bis zwölf Monate nach der Operation beurteilt, anhand Ihrer Beschwerden und einer Endoskopie. Ob eine Operation für Sie infrage kommt und welche Behandlung zuerst versucht wird, sind Fragen, die in einem Beratungsgespräch beantwortet werden, nachdem Ihre Nase untersucht wurde.

Quellen

  1. ENT UK. Sinus surgery for chronic rhinosinusitis without nasal polyps. ENT UK. 2022. Verfügbar unter: entuk.org/patients/conditions/58/sinus_surgery_for_chronic_rhinosinusitis_without_nasal_polyps [abgerufen am ].
  2. Academy of Medical Royal Colleges. Surgical intervention for chronic rhinosinusitis. Academy of Medical Royal Colleges. 2024. Verfügbar unter: ebi.aomrc.org.uk/interventions/surgical-intervention-for-chronic-rhinosinusitis [abgerufen am ].
  3. Shin JJ, Wilson M, McKenna M, Rosenfeld R, Ammon K, Crosby D, et al. Clinical Practice Guideline: Surgical Management of Chronic Rhinosinusitis. Otolaryngology – Head and Neck Surgery. 2025;172(S2):S1‑S47. doi:10.1002/ohn.1287.
  4. Philpott C, Beard DJ, Saeedi E, Cook JA, Jones S, Clarke CS, et al. The clinical effectiveness of clarithromycin versus endoscopic sinus surgery for adults with chronic rhinosinusitis with and without nasal polyps (MACRO): a pragmatic, multicentre, three-arm, randomised, placebo-controlled phase 4 trial. The Lancet. 2025;406(10506):926‑939. doi:10.1016/S0140-6736(25)01248-6.

Medizinisch geprüft von Op. Dr. Cenk Teker,

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